Unsere vierte Radtour führte uns an den äußersten Rand von Koper und des slowenischen Istriens, entlang der Wege der istrischen „Toskana“. Einige Kilometer legten wir auch im kroatischen Istrien zurück, bevor wir wieder nach Slowenien zurückkehrten und durch die charmanten istrischen Dörfer Hrvoji, Belvedur, Sirči usw. Wie gewohnt legten wir auch diesmal einige Stopps bei den lokalen Anbietern ein und stärkten uns mit regionalen Köstlichkeiten.
ERSTER ZWISCHENSTOPP, WENN ES NICHT ZU KALT IST – ERFRISCHUNG IM DRAGONJA-FLUSS
Der Ausgangspunkt für unsere vierte Radtour ist das Dorf Marezige, wo Sie Ihr Fahrzeug auf dem kostenlosen Parkplatz neben dem Gasthaus Karjola abstellen können. Von hier aus biegen Sie links in Richtung Babiči ab, an der ersten Kreuzung wieder links in Richtung Boršt , und kurz darauf rechts auf die Schotterstraße ab, die wieder auf die Straße nach Župančiči trifft. Biegen Sie rechts ab und folgen Sie der Straße entlang des Baches Rokava, der sich durch das gesamte Dragonja-Tal zieht, bis zum Grenzübergang. Wenn Sie Škrlin erreichen, wo die Rokava in die Dragonja mündet, sehen Sie auf der rechten Seite ein wunderschön restauriertes altes istrisches Haus. Hier biegen Sie links ab und überqueren zunächst den Fluss Rokava – dessen Wasserstand in den Sommermonaten meist niedrig ist, nach Regenfällen jedoch bis zu den Knien steigen kann, sodass etwas Einfallsreichtum beim Durchqueren gefragt ist. Ein Stück weiter führt die Schotterstraße zur nächsten Überquerung: dem Fluss Dragonja , den Sie diesmal über eine alte Steinbrücke passieren. Zu Beginn des Sommers führt Dragonja hier reichlich Wasser – perfekt, um sich in den natürlichen Becken eine erfrischende Pause zu gönnen.

TOSKANA-FEELING AUF DEM ANWESEN BRIČ
Nach der Brücke biegen Sie rechts ab und starten den 5,5 Kilometer langen Aufstieg bis zum Weinkeller Brič (der Schotterweg ist gut gepflegt). Der Weinkeller liegt in außergewöhnlicher Lage und bietet einen traumhaften Blick aufs Meer, über terrassenförmig angelegte Weinberge, die sich ins Tal hinunterziehen – ein Anblick, der echtes toskanisches Flair versprüht. Das Anwesen Brič umfasst 36 Hektar, von denen 31 Hektar Weinberge und 5 Hektar Olivenhaine sind. Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins Jahr 2000 zurück. Heute entstehen hier 60 % Rot- und 40 % Weißweine. Jährlich werden beeindruckende 70.000 Liter Wein hergestellt. Man erzählte uns, dass diese Zahlen früher sogar noch höher waren, aber mit der Umstellung auf ökologischen Landbau wurden die Mengen weniger.
Der Weinkeller Brič bietet alles von frischen Weißweinen bis zu gealterten Rotweinen. Von den Weißweinen bieten sie Malvasia, Pinot Gris, Süßen Muskateller, Rosé und drei verschiedene Orangenweine an. Interessanterweise sind sie einer der wenigen Winzer, die mazerierten und trockenen Gelben Muskateller herstellen. Von den Rotweinen bieten sie neben den Klassikern (Refosco, Merlot, Cabernet Sauvignon) eine Spezialsorte an, die für das istrische Weinbaugebiet nicht typisch ist, und zwar Cabernet Franc. Ein wichtiger Meilenstein für den Weinkeller war das Jahr 2022, als sie die bisher höchste Auszeichnung erhielt – den prestigeträchtigen Decanter Gold Award für ihren Refosco „Vinagra“, Jahrgang 2018. Dies ist die erste Decanter-Goldauszeichnung für einen slowenischen Refosco.


EIN BESUCH IM WEINKELLER BRIČ IST AUCH FÜR ARCHITEKTURLIEBHABER EIN MUSS
Ein Besuch des Weinkellers Brič ist auch für Architekturliebhaber ein absolutes Muss. Es wurde von Boris Podrecca entworfen, einem der bedeutendsten slowenischen Architekten der letzten Jahrzehnte. In Brič gestaltete er eine sehr unaufdringliche Architektur, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt und eine moderne Hommage an das istrische Bauerbe darstellt. Ein Großteil der Fassaden ist mit Trockenmauerwerk aus lokalen Steinen verkleidet, ergänzt durch Nussbaumfurnier und Glas als moderne Akzente. Es ist keine Überraschung, dass der Weinkeller Brič zu den 100 schönsten Weingütern der Welt gehört.


EIN KURZER SPRUNG INS KROATISCHE ISTRIEN
Nur wenige Meter nach dem Weinkeller überqueren Sie den ehemaligen Grenzübergang, und nach weniger als einem Kilometer erreichen Sie das ruhige Dörfchen Brič, und ein Stück weiter das malerische Kučibreg. Nach etwa zwei Kilometern erreichen Sie wieder Slowenien, und zwar das Dorf Hrvoji. Ein Aufstieg vorbei an der Kirche zum Dorffriedhof lohnt sich hier besonders – von dort eröffnet sich ein wunderschöner Blick auf die zerklüftete istrische Landschaft und das Meer. Auf der gegenüberliegenden Seite kann man den Karstrand sehen. An klaren Tagen schweift der Blick im Norden bis zu Slavnik, Nanos und den Julischen Alpen, im Osten bis zur Učka, während die Dolomiten majestätisch über dem Golf von Triest den Hintergrund bilden.
Nach dem Abstieg geht es weiter auf der Hauptstraße in Richtung Belvedur. Wenn Sie in Entdeckerlaune sind, halten Sie Ausschau nach einem kleinen Schild auf der rechten Seite – es weist Ihnen den Weg nach Abitanti. Es handelt sich um einen etwa 3 Kilometer langen Radweg, der Sie an einer alten Mühle vorbei in ein abgelegenes istrisches Dörfchen führt. Bis vor Kurzem galt es als verlassen, doch in den letzten Jahren kehren langsam das Leben und auch das touristische Angebot zurück. Diese ist vor allem der Familie Perič zu verdanken, die im restaurierten Hofgut Grondali nicht nur Unterkünfte, sondern auch traditionelle istrische Küche, hauseigenen Wein und viele weitere hausgemachte Produkte anbietet.

BAUERNHOF MARIMA – EIN PARADIES FÜR LIEBHABER VON TROCKENFRÜCHTEN
Wenn Sie sich nicht für einen Besuch von Abitanti entschieden haben, erreichen Sie nach Hrvoji bald Belvedur, wo sich am Straßenrand ein altes Gasthaus befindet, das vor allem für seine Fuži mit Trüffeln berühmt ist. Sie fahren weiter auf der malerischen und wenig befahrenen Hauptstraße nach Sirči, weiter nach Gračišče und dann beim Schild nach Trebeše links. Hier werden Sie eine weitere interessante Geschichte kennenlernen, die mit den Schätzen des istrischen Bodens verbunden ist. Der Bauernhof Marima bewirtschaftet drei Hektar Obstgärten mit Kakis, Feigen, Birnen, Pflaumen und Aprikosen sowie einen Hektar Olivenhaine und einen Weinberg mit Tafeltrauben. „Bei der Erzeugung unserer Produkte halten wir uns sorgfältig an die Grundsätze des ökologischen Landbaus und bemühen uns, ohne Spritzmittel und Kunstdünger sowie mit Unterstützung der Natur qualitativ hochwertiges Obst zu produzieren“, erklärt der Bauernhof. „Da wir uns der Wertigkeit unserer Lebensmittel bewusst sind, führen wir sämtliche Produktionsschritte in den Trocknungs- und Verpackungsräumen von Hand aus – nur so können wir die gewünschte Qualität sicherstellen“, ergänzen sie. Ihre wichtigsten Produkte sind getrocknete Feigen, getrocknete Kaki, getrocknete Pflaumen, getrocknete Birnen, getrocknete Aprikosen, natives Olivenöl extra, Tafeltrauben und Rosinen. Sie bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten und geführte Touren über ihr Anwesen sowie zu den umliegenden natürlichen Sehenswürdigkeiten an.


HÄUSER DES SLOWENISCHEN ISTRIEN – EIN HOMMAGE AN DIE WIDERSTANDSFÄHIGEN ŠAVRINI-FRAUEN
Von Trebeše aus kehren Sie auf die Hauptstraße zurück und fahren weiter in Richtung Butari, vorbei an Poletiči nach Popetre. Von hier aus fahren Sie nach Trsek und vorbei am Dorf Kozloviči nach Truške, wo Sie einen Halt bei den Häuser des slowenischen Istrien machen und eine weiter interessante Geschichte über Tilen und Andrej kennenlernen können. Diese vereint Geschichte, einen persönlichen Ansatz und eine Verbindung zu lokalen Anbietern, die sich der Qualität verpflichtet haben. „Wir sind von der Idee ausgegangen, dass die Gäste mehr als nur Essen und Unterkunft verdienen, dass sie eine andere Art von Tourismus erleben können, fernab des Massentourismus und im direkten Kontakt mit lokalen Herstellern“, sagt Tilen. Deshalb haben sie in Zusammenarbeit mit anderen Anbietern eine Reihe von Erlebnissen für die Gäste vorbereitet – darunter mit dem Biobauernhof Bočaj, der seit 40 Jahren Olivenöl produziert, dem Kräuterparadies des slowenischen Istrien und dem bereits erwähnten Biobauernhof Marima. Auf diese Weise können Besucher echten Kontakt zu den Menschen knüpfen, die hier leben und hochwertige Produkte herstellen, die Lichtjahre von industrieller Produktion entfernt sind. In den Häusern des slowenischen Istrien wird Frühstück serviert, das natürlich ausschließlich aus istrischen Spezialitäten besteht. „Wir kaufen Hüttenkäse in Potok, Wurstwaren vom Bauernhof Trček in Hrastovlje und Käse vom Bauernhof Korošec in Socerb“, sagt Tilen und zählt einige der Hersteller auf, mit denen sie zusammenarbeiten. Andrej, ein leidenschaftlicher Hobbykoch, ist für das kulinarische Angebot zuständig. Neben dem Frühstück werden auch Abendessen mit traditioneller istrischer Küche angeboten.
Das Besondere an diesem Beherbergungs- und Verpflegungsbetrieb, der insgesamt 26 Übernachtungsplätze sowie Platz für zwei Wohnwagen und zwei Zelte bietet, sind die Häuser des slowenischen Istrien. Drei der Häuser, Mlekarica, Jajcarica und Krušarica, wurden nach den robusten Šavrini-Frauen benannt, die die heimischen Erzeugnisse aus Truške in Körben auf dem Kopf trugen, um sie in Triest zu verkaufen. In den Häusern gibt es keinen Strom, die Möbel stammen aus der Zeit vom späten 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg, und sie sind von einem Garten umgeben, der einen atemberaubenden Blick auf das Meer und bei klarem Wetter auf die Dolomiten eröffnet. Deshalb bieten sie die perfekte Auszeit vom hektischen Alltag.


EINE KÖSTLICHE NEAPOLITANISCHE PIZZA FÜR DAS FINISH
Von den nostalgischen Häusern geht es ein paar Kilometer weiter nach Marezige, wo Sie Ihre Radtour mit einer köstlichen neapolitanischen Pizza abschließen können. Diese wird Ihnen perfekt zubereitet von Anja Suton. Ende April wurde im Erdgeschoss der Casa Oasa die The Holy Crust Pizzeria eröffnet.
Anja begann vor fünf Jahren hobbymäßig mit dem Pizzabacken – eine Beschäftigung, aus der sich, wie sie selbst sagt, schnell eine große Liebe und Leidenschaft entwickelte. Besonderen Wert legt sie auf die Teigzubereitung – ein „Sauerteig-Hybrid“ aus hochwertigen Zutaten aus Italien. „Meine Pizza ist eine Hommage an die klassische neapolitanische Pizza, an ihren Ursprungsort.“ Ich habe den allergrößten Respekt vor diesen Pizzabäckern und werde mir nie eine Pizza zu Eigen machen. Ich füge dem Mosaik, das sich im Laufe der Geschichte der neapolitanischen Pizza gebildet hat, nur mein eigenes Stück hinzu“, sagt Anja.



STRECKENVERLAUF
IN DAS HERZ DER KOPER-LANDSCHAFT
Marezige – Babiči – Župančiči – Škrline – Brič – Kučibreg- Hrvoji – Abitanti – Belvedur- Sirči – Trebeše – Butari – Poletiči – Popetre -Trsek – Kozloviči – Truške – Marezige
Link zur Karte: auf den Wegen der istrischen „Toskana“
Dauer: 3h
Länge: 38,7 km
Höhenmeter: 860 m
ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN ÜBER DIE STRECKE
Geeignet für: MTB/EMTB/GRAVEL
Parkmöglichkeit: beim Gasthaus Karjola
Schwierigkeit: meist leichter Weg, mal Asphalt, mal Schotterwege, Feldwege; Mountainbike empfohlen. Die Strecke ist zu allen Jahreszeiten zu empfehlen, außer bei extremer Hitze und starkem Bora-Wind.
SEHENSWÜRDIGKEITEN/STOPPS ENTLANG DER STRECKE
- Typische istrische Dörfer
- Dragonja-Tal
- Anwesen Brič
- Hofgut Grondali
- Bauernhof Marima
- Häuser des slowenischen Istrien
- Holy Crust – Casa Oasa Pizzeria

































































































































































































































